Gedanken zur Malerei von Arandus

Gedanken zur Malerei von Arandus

Arandus ist ein Künstler, der mit radikaler Konsequenz seiner Intuition folgt und damit im vielfältigen Szenario der Gegenwartskunst eine besondere Position einnimmt. Arandus folgt keinen modischen Attituden oder Tagestrends: als veritabler Grenzgänger bewegt er sich mit seiner Malerei zwischen Empathie und Skepsis, zwischen Realität und Surrealität, zwischen Intellekt und Emotion. Seine Bilder zeigen prima vista den schönen Schein, die schöne Oberfläche ­ aber schon ein zweiter Blick zeigt, daß diese fragile Schönheit infrage gestellt und ausgelöscht wird. Gegenätze und Widersprüche bestimmen sein uvre, besonders dann, wenn seine Thematik klerikale Inhalte zitiert.

So überlagen sich in Schnuller extrem unterschiedliche metaphorische Ebenen: Vor einem stark gestisch gearbeiteten Fond mit aufglühenden Rottönen in einer dunklen Gesamtfarbigkeit erscheinen fast am oberen Bildrand die Chiffren eines Vogels und eines Vogelhauses. In diese Chiffren aber ragt bereits die magisch beleuchtete Figur eines nur knapp bekleideten Modells. Dessen Unterleib wiederum wird knapp unterhalb der Scham von einem strahlend hellen Pitbull überdeckt, der über einem Ensemble von Klerikern schwebt, deren einer mit einem Schnuller im Mund dargestellt ist. Jedes Objekt in diesem Bild ist ambivalent: das Modell unschuldig und zugleich lasziv, der Hund harmlos und gefährlich, die Geistlichen indifferent und infantil. Der Vogel schließlich fliegt zwar als freies Naturwesen umher ist jedoch (sogar durch eine Linie) mit dem ihm zugewiesenen Haus verbunden.

Arandus verbindet heterogene Bildzeichen miteinander ohne sie zu einer einheitlichen Botschaft zusammenzufassen. Er ist in diesem Kontext ein Surrealist geht aber in seiner malerischen Artikulation weit über einen konventionellen Surrealismus hinaus, da er für jedes Bildzeichen eine eigene Stilform entwickelt. Diese Formen reichem von der linearen Umrißzeichnung bis zu rembrandteskem Helldunkel. Der Maler Arandus hantiert hier souverän mit Bruchstücken der Geschichte der Malerei zugelich aber negiert er im Gesamtgefüge seines Bildes eine historische Zuordnung. Mit besondererer Intelligenz spielt hier ein Künstler mit den Bedingungnen künstlerischer Standorte, die er in einem Atembzug bestätigt und widerlegt.

Dieses Raffinement demonstrieren insbesondere Arandus¹ Arbeiten mit erotischen Konnotationen wie z.B. Maculata Der Künstler läßt auf einer grob kreuzförmigen. ausgerissenen Leinwand schemenhaft das Gesicht einer jungen Frau mit großen, feuchten Augen aus dem dunklen Bildgrund hervortreten. Gestisch-informelle Malerei wird hier mit realistisch-modellierender Gegenständlichkeit verbunden. Unübersehbar evoziert auch der Titel Maculata sein Gegenteil, die Immaculata und definiert somit die Dargestellte als schöne Sünderin. Arandus Meisterschaft erweist sich in seinem gesamten bisherigen Werk darin, daß er die semantischen Brechungen seiner Themen in stilistische Verwerfungen übersetzt. Das Enigmatische und Ambivalente seine einzigartigen Bildsprache wird damit zum durchgängigen Stilprinzip, dessen Allusionen und Antagonismen sich einzig im Bewußtsein des Betrachtenden auflösen lassen. Dieses Vergnügen, ein Bild lesen zu können und dabei die Freiheit der subjektiven Deutung behalten zu dürfen, ist eine besopndere Qualität der Malerei, mit der Arandus sich seinem Publikum immer neu präsentiert.

®Jost Funke, Professor für Bildende Kunst und Kunstgeschichte

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Thoughts to the paintings of Arandus

Arandus is an artist, who follows his intuition with an eradicative consequence. He thereby takes a special position in versatile settings of present art. Arandus does not follow any fashion attitudes or short-term trends: being a veritable border crosser, his paintings agitate between emphaty and scepsis, between realism and sur-realism, between intellect and emotion. At first sight his paintings show the ?beautiful illusiveness³, the beautiful surface, but, at a second glance you can tell that this fragile beauty is being questioned and erased. Contrasts and contradictions rule his uvre, especially if his topics quote clergy contents.

His painting Schnuller (engl. Soother) shows the extreme diversity of metaphorical levels : In front of a strongly physical daedal fond with glowing shades of red, in a dark over-all, the ciphes of a bird and a bird house seem to appear in the upper border of the painting. Within these ciphers the magically illuminated body of a sparsely dressed model rises. Barely below the vulva, the abdomen is covered by a lustrous bright pitbull, who is floating above an ensemble of clergies ­ one of them pictured with a soother in its mouth. Each object in this painting is ambivalent: the model so innocent but yet so lascivious, the dog so artless and dangerous, the clergies indifferent and infantile. The bird, flying as a free character of nature, yet is connected (even through a line) to the house assigned to him. Arandus associates heterogeneous pictographs without embracing them to a consistent message. In this context you could say he is a sur-realist.

Nevertheless, his picturesque articulation is far beyond conventional sur-realism ­ he developed a unique style for every pictograph. These range >from linear counter drawings to Rembrandt-like chiaroscuro. The artist Arandus has a competent way of handling with fragments of art history yet at the same time negating a historical classification in the main appearance of his painting. With an incredible intelligence, the artist plays with the requirements of artistic locations, which he confirms and confutes in the same sentence. This refinement demonstrates, in particular, Arandus`s art dealing with erotic connotations such as Maculata. On a roughly textured, crosswised and torn screen, the artist appationally shows the face of a young woman with big, wet eyes ­ stepping forward from the dark background.

Physical-informal painting is, in this case, associated to realistic-modelling concreteness. Highly visible, the title Maculata evokes its opposite ­ the Immaculata ­ and thereby defines the person as beautiful sinner. Arandus`s masterpiece prooves in his complete act, by translating the semantic breakings of his topics into stylistic rejections. The enigma and ambivalenve of his unique picture language herewith becomes a continuous principal in style, whose allusions and antagonisms can solely be solved by the consciousness of each individual viewer. The joy of knowing how to read a painting and yet having the freedom of subjective interpretation is a special quality of art, in which Arandus always finds a new way of representing it to his audience.

®Jost Funke, Professor for Visual Arts and Art History

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Archäologie der Antithese.

Schon bei der ersten Begegnung mit Arandus¹ Bildern im Jahr 1997 habe ich meinen Begriff zur Bestimmung der ihm eigenen malerischen Poetik geformt: Eine Archäologie der Antithese

Mir schien, dass diese nette Formulierung auf angenehmste Art nicht nur das Engagement des Autors mit allgegenwärtigen Thematiken suggeriert, die angrenzen können an tagespolitisches Geschehen, sondern auch seinen inneren Kampf ­ sein Suchen, sowohl unter Einfluss der im Studium erlernten traditionellen Maltechniken als auch unter Verwendung moderner, zeitgenössischer Ausdrucksweisen der bildenden Kunst.
Seine Visualisierung ist ein offensichtliches Bedürfnis, sich gegenüber der Realität und konkreten Geschehnissen im Leben zu bestimmen, das beinhaltet unbedingt den Antipoden als thematische Aufgabe, die Technik als Antiordnung, den Umgang mit der Leinwand als Antigenre.

Das ist Programm.
Die Gefahr, dass durch gleichzeitiges Zeigen beider Seiten der Medaille, unter Verwendung von Kontraargumenten, die Arbeit ins Karikative umschlägt oder die künstlerische Handschrift verliert, löst Arandus in der Komposition seiner Metaphern.
Der erste Eindruck seiner Bilder ist Diskutabel. Das kann der oft expressive Strich sein, der den Charakter von Graffiti evoziert, die benutzten Symbole sind urban, einfach und leicht erkennbar, fast allgemein. Umgekehrt stehen streng harmonisch gesetzte Portraits, Typen und Objekte im klassischen Stil ­ die Wahrnehmung ist abhängig von der Sensibilität des Betrachters, das Resultat suggeriert das Lesen (zwischen den Zeilen), das Erfassen der Ganzheit, die in letzter Konsequenz von absolut dramenhaftem Charakter ist.

Das ist die Pointe.
Geistreich ja, komisch und lächerlich niemals.
Die Tonalität des Bildes, die Farbpalette oder das Material, auf dem Arandus seine Haltung zum Ausdruck bringt, können überraschend sein, manchmal ist das verwunderlich, Witz oder Besonderheit können Bettlaken, Zeltplanen oder 200 Meter lange Transparente darstellen, über die Inhalte würden wir niemals lachen. Der Inhalt ist sehr ernst, überlegt und verlangt eine Auseinandersetzung.
Auf die dramaturgische Frage nach dem ?Warum³, unabhängig von der Thematik (Liebe, Krieg, religiöse und soziale Aspekte) und dem Entstehungsmoment eines Zyklus, ist die einzige Antwort, die Arandus nicht gibt, die Kontrafrage Warum nicht? Seinem Temperament liegt es sehr nah, schon im philosophischen und künstlerischen Sinne, also bietet er visuell die Möglichkeit, dass wir uns selbst fragen.

Prof. Neven Stanicic

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Archeology of Antithesis

In the year 1997, when I first saw Arandus¹s paintings, I found the perfect term to describe his unique and picturesque poetics : An Archeology of Antithesis.

It seemed to me, as if this neat formulation would not only suggest the author¹s dedication to ubiquitous subjects – adjoining to diurnal poltical incidents but also his inner conflict – his searching ­ enhanced by the traditional techniques in painting learned during his studies as well as using modern, contemporary parlances of visual arts. His visualisation is an apparent desideratum to ascertain reality and concrete events in life. This absolutely consists of the antipodes as topical challenge, the technique as anti-organisation and the exposure to the screen as anti- genre.

The scheme.
The jeopardy by showing both sides of a medal at the same time – using contradictional arguments that transacts his work into a caricature or loses its artistic handwriting, is solved in the composition of Arandus¹s metaphors. The first impression of his paintings are debatable. That could be either the expressive line, evoking the character of a graffiti ­ the used symbols are urban, simple and easy to notice ­almost abstract. On the other you have strictly harmonious portraits, types and objects of the classical style. The apperception depends on the sensibility of the viewer. The result suggests the reading (between the lines). To comprehend the entireness that is, in last consequence, of dramtical character.

The punch line.
Witty? Yes! Funny and Absurd? Never! The tonality of the painting, the color palette or the material on which Arandus expresses his mindset, can be surprising, sometimes astonishing. Esprit or destinctiveness can appear in sheets, tarpaulin or 200 metre long transparents. We would never laugh about the content ­ the content is exgent; considers and demands a conflict. The only answer to the dramaturgical question ?Why³, independent of topic (love, war, religious and social aspects) and the moment of developing a cycle, that Arandus does not give, is the versus question ?Why not³? His spirit suggests itself ­ whether in a philosophical or artistic sense. He visually offers us the possibility to ask ourselves.

Prof. Neven Stanicic
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